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Kleidung aus norddeutscher Wolle

Kleidung aus Schafwolle - Copyright majonit - stock.adobe.com

Die Modebranche erlebte in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Umbrüche. Die Produktion erfolgt bis auf wenige Ausnahmen im Ausland. Ein Start-up aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg hat sich zum Ziel gesetzt, im Norden mit eigenen Strickmaschinen aus norddeutscher Wolle nachhaltige Kleidung herzustellen. Im Interview mit Ute Luft erhalten wir einen Einblick in die Produktion aus regionaler Wolle und den Weg zum Kunden.

Eine nachhaltige Produktion mit Kleidung aus norddeutscher Wolle zu etablieren ist ein ambitioniertes Projekt. Könnt Ihr uns beschreiben, in welchen Schritten diese Entscheidung gereift ist?

Ute Luft: Es begann tatsächlich mit unseren eigenen Schafen. Die kamen als Rasenmäher für unsere Obstwiese und die Rasse habe ich nach ihrer Wolle ausgesucht. In der Anfangszeit habe ich die Wolle von Hand verarbeitet: scheren, waschen, kardieren, spinnen und stricken oder weben. Irgendwann waren es zu viele Schafe und zu viel Wolle, um sie komplett von Hand zu verarbeiten. Dann habe ich Verarbeiter gesucht, die deutsche Wolle in Deutschland verarbeiten. Davon gibt es nur eine Handvoll.

Und dann kommt natürlich die Frage auf: Wie machen das die anderen? Wie machen das die großen Schäfereien? Wo geht die Wolle hin? Was passiert damit?

Stellt sich raus, mit der deutschen Wolle passiert herzlich wenig in Sachen Textil. Einiges geht in Teppiche oder in Dämmung, viel wird im Ausland verarbeitet. Und die Schäfer bekommen erschreckend wenig Geld für ihren Rohstoff. Meist so wenig, dass sie bei den Scherkosten drauflegen. Das fand ich alles unhaltbar und wollte daran was ändern.

2016 habe ich mich dann endlich getraut und habe eine Schur von einer Schäferei aufgekauft und habe die Wolle verarbeiten lassen. Ziel war damals schon, Kleidung herzustellen. Ich habe aber einige Wollernten und Verarbeitungsdurchläufe gebraucht, bis die Qualität der Garne und Stoffe so weit war.

Anfangs wollte ich einfach nur zeigen, dass es geht. Dass norddeutsche Wolle durchaus „kleidungstauglich“ ist. Mittlerweile ist mir klar geworden: Nur bei einem Produkt mit einer hohen Wertschöpfungshöhe ist genug Spielraum drin, um den Schäfern wirklich deutlich mehr für ihre Wolle zu zahlen. Bei einem Pulli für 150€ kann man einen Rohwollpreis von 3-5€ gut unterbringen. Bei Düngepellets geht das natürlich nicht.

Die Produktion erfolgt auf Bestellung

Nachhaltige Produktion steht im Fokus der Kleidungsstücke. Wie sehen die einzelnen Komponenten für eine ressourcenschonende Produktion aus?

Ute Luft: Das fängt an bei der Auswahl der Rohstoffe, nämlich Schafwolle von nebenan.

Es geht weiter mit einer Verarbeitung möglichst nahe bei: unsere Pullis haben nur 950 km hinter sich. Das ist sehr, sehr wenig für ein Kleidungsstück.

Wir produzieren nicht auf Halde, sondern nur auf Bestellung. Da bleibt also nichts übrig.

Unsere Strickmaschine strickt am Stück, da gibt es keinen Verschnitt.

Die Schnitte sind bewusst zeitlos gehalten und wir haben nur Unisex-Schnitte. Vererben und Verleihen geht also auch gut über Geschlechter hinweg.

Wolle muss man wenig waschen. Das spart Wasser und Strom.

Alle unsere Kleidungstücke sind kompostierbar. Da gibt es kein Mikroplastik, kein Elastan und auch keine Kunstharzbehandlung der Wolle.

Zum Schluss sicherlich die wichtigste Frage nach der Produktion. Welche Vertriebswege könnt Ihr euch vorstellen und was wird schon in nächster Zeit von Euch realisiert?

Ute Luft: Zurzeit läuft noch unser Crowdfunding auf Startnext. Nach der Crowdfunding-Kampagne wird es einen Onlineshop auf unserer Website geben. Da bauen wir gerade fleißig dran.

Ganz analog gibt es die vauno-Kleidung natürlich auch in unserem Hofladen in Weitsche. Und dann gibt es jetzt schon weitere Verkaufsstellen, z. B. im Feuer und Flamme in Hitzacker oder in der Markthalle in Dannenberg. Diese Verkaufsstellen werden wir noch weiter ausbauen und wir werden auch auf einigen Märkten unterwegs sein. Geplant sind da z. B. der Weihnachtsmarkt in der Gärtnerei Piepereit und der Öko-Weihnachtsmarkt in Hamburg.

Herzlichen Dank, Ute Luft.

Addendum

Titelbild – Kleidung aus Schafwolle – Copyright majonit – stock.adobe.com

Interview mit Ute Luft

Startnext-Projektseite: https://www.startnext.com/vauno

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